Mit enormer Verspätung und nach dreimaligen Umarbeiten meiner Idee immer noch unzufrieden, präsentiere ich euch nun doch das Ergebnis.
Diesmal hat
angelic_candy das Lied
A Hero Comes Home von Idina Menzel vorgeschlagen.
HeimkehrVorsichtig öffnete sie die Tür und betrat leise das Krankenhauszimmer. Das normalerweise freundlich, doch neutrale Zimmer wurde vom warmen Schein der untergehenden Sonne erhellt und ihre Strahlen trafen auf die Bilder, welche die Wände bedeckten. Von allen vier Wänden lachte Diana ihr eigenes Gesicht an. Bei jedem anderen wär ihr dies mehr als unangenehm gewesen, hätte ihr sogar Angst gemacht, doch war Vickys Zimmer und so war die junge Frau vor allem gerührt.
Immer noch leise trat Diana an Vickys Bett und sah auf das schlafende Mädchen hinab, welches trotz aller Widerstände immer zu ihr gehalten hatte und die man durchaus als Dianas größten Fan bezeichnen konnte, doch die für die junge Sängerin einfach nur ihre beste Freundin war. Eine Freundin, die Dianas Hilfe so dringend gebraucht hatte, aber die allein hatte kämpfen müssen. Wieder spürte Diana diese verzweifelte Wut in sich. Wut auf die bonierte Sturheit der Menschen ihrer Heimatstadt und besonders Vickys Eltern. Denn sie hatten die Briefe zurückgehalten, die ihre Tochter ihrem Idol und Freundin geschrieben hatte und in denen sie ihr von ihrer schweren Erkrankung berichtet hatte. Nur durch einen Zufall hatte Diana davon erfahren und konnte nun endlich an Vickys Seite sein. Sie fühlte Erleichterung und Besorgnis und vor allem Hilflosigkeit. Gewiss, Vicky würde sich über ihre Anwesenheit freuen, aber wirklich etwas tun, wirklich aktiv helfen, konnte sie nicht. Denn Diana konnte nur eines: Lieder schreiben und diese singen.
Sie sah, dass ein aufgeschlagener Ordner auf Vickys Bauch lag, in dem sie wohl vor dem Einschlafen noch geblättert hatte. Vorsichtig befreite Diana ihre Freundin von der Last und entdeckte dabei, dass es eine Sammlung von Artikeln über sie selbst war. Sie setzte sich auf den Stuhl am Bett und blätterte in der Übersicht ihrer kurzen, aber beeindruckenden Karriere.
Schon immer hatte Diana, gefördert von ihrer Mutter eine überschäumende Fantasie gehabt, die sie am liebsten singend äußerte. Besonders die alten Legenden und Lieder ihrer Heimatstadt hatten es ihr angetan und so begann sie diese auswendig zu lernen. Damals wusste sie noch nicht, dass vor allem die Melodien der Lieder einzigartig waren und bisher noch kein Wissenschaftler dieses Phänomen hatte erklären können. Deshalb hüteten alle Einwohner diese Melodien sorgfältig und jede, auch nur kleinste Veränderung wurde als Blasphemie angesehen. Das war Diana nicht bekannt und einem inneren Drang folgend, begann sie, basierend auf den traditionellen Liedern, ihre eigenen zu schreiben.
Damals, noch in der Schule, lernte sie Vicky kennen. Dies hatte zu ihrem eigenen Bedauern keiner künstlerische Fähigkeiten, aber die dafür noch viel wertvollere Eigenschaft, die Werke anderer zu beurteilen. Vicky erkannte sofort, was an einer Melodie oder einem Text gut war und was nicht und konnte dies auch entsprechend formulieren und mit ihrer Hilfe, verbesserten sich Dianas Kompositionen immer mehr. Niemand ahnte etwas davon, Diana war noch zu unsicher, ihre Lieder der Öffentlichkeit zu präsentieren, doch mit Vickys Zuspruch wagte sie es, bei einer Schulaufführung eines ihrer Lieder zu singen.
Es kam zum Eklat! Die ganze Stadt war empört und entsetzt, was sich unter anderem in wütenden Leserbriefen äußerte, welche die Zeitungen wochenlang abdruckten. Diana musste einige Male Rede und Antwort stehen und konnte bei all dem nicht begreifen, was sie falsch gemacht hatte. Sie konnte auch nicht versprechen, es nie wieder zu tun, denn Komponieren und Singen brauchte sie wie die Luft zum Atmen.
Etwas Gutes entstand durch die ganze Aufregung. Ein Produzent hörte davon und lud sie ein, für ihn zu singen. Dabei erkannte er ihr Talent und war sich sicher, dass sie außerhalb der Stadt eine große Karriere machen könnte und bot ihr an, sie unter Vertrag zu nehmen. Und obwohl sie ihre Heimat und vor allem Vicky ungern verließ, nahm sie das Angebot an.
Seitdem war es in der Stadt verboten, ihren Namen in der Öffentlichkeit auszusprechen und ihr kometenhafter Aufstieg wurde ignoriert. Nur Vicky stand mit Diana in heimlichen Briefkontakt und besorgte sich von außerhalb alle Zeitungsberichte, die über ihre Freundin geschrieben wurden. Auch über die Entfernung beurteilte sie weiterhin Dianas Werke und auch wenn sie es nie glauben würde, war sie ein Grund für Dianas Erfolg. Erst als Vicky schwer erkrankte, war ihre immer noch enge Bindung an Diana bekannt geworden und seitdem unternahmen ihre Eltern alles, um ihrer Tochter von dieser, in ihren Augen schädlichen, Obsession zu heilen. Es gelang ihnen zumindest, jeden Kontakt zwischen Vicky und Diana zu unterbinden, doch es gelang ihnen nicht, Vickys Vertrauen in Diana damit zu erschüttern. Vielmehr half deren Musik ihr, die Therapien und den monatelangen Krankenhausaufenthalt zu überstehen.
Der behandelnde Arzt war davon fasziniert und er war es auch, der den letzten Brief Vickys abgeschickt hatte, der Diana nun hier her gebracht hatte. Die Sängerin war selbst überrascht wie viel sie Vicky wirklich bedeutete und dies motivierte sie noch mehr, der jungen Frau etwas davon zurück zu geben, auch wenn sie noch nicht wusste wie. Doch sie wurde aus ihren Gedanken gerissen als Vicky sich rührte und erwachte.
Diese glaubte ihren Augen nicht zu trauen, doch als Diana leise "Hallo, Viktoria" sagte und ihre Hand nahm, wusste sie, dass dies kein Traum war.
"Du bist da," flüsterte sie und als Diana etwas erwidern wollte, schüttelte sie nur leicht den Kopf. "Du bist da. Das ist alles, was zählt."
2009-04-02